Heimatfreunde Werlau e.V.

Werlauer Zeitreise-Team ließ die Geschichte der Grube „Gute Hoffnung“ wieder lebendig werden

Interessante Bilder aus dem Zeitraum von 1903 bis 2009

Zum dritten Male seit 2007 hatten die Werlauer Heimatfreunde und der Ortsbeirat die Bevölkerung von Werlau und Umgebung zu der Veranstaltung „Werlauer Zeitreise“ eingeladen. Das von dem Zeitreise-Team in diesem Jahr gewählte Thema „Grube Gute Hoffnung“ fand ein unerwartet großes Interesse.

Als Ortsvorsteher Horst Vogt im Namen des Ortsbeirates und Herbert Merten für das Zeitreise-Team die Freunde der Werlauer Heimatgeschichte und die Weinliebhaber begrüßten, war der Saal der Gaststätte „Zur alten Weinstube“ bis auf den letzten Platz gefüllt.

Großes Interesse fand die Veranstaltung „Werlauer Zeitreise“, die zum dritten Male seit 2007 durchgeführt wurde. Obwohl die Grube „Gute Hoffnung“ 1961 geschlossen und 1998 die Abbrucharbeiten der oberirdischen Aufbauten vorgenommen wurden, befanden sich unter den Gästen überraschend viele junge Zuhörer. Foto: Klaus Brademann

Das Team hatte aus einer Bildauswahl von 300 Fotos aus dem Zeitraum von 1903 bis 2009 eine dreiteilige Bildpräsentation mit je etwa 40 Fotos zusammengestellt:
1. Bilder vor der Schließung der Grube – 1. Teil,
2. Bilder vor der Schließung der Grube – 2. Teil,
3. Bilder nach der Schließung der Grube 'Gute Hoffnung' im Jahre 1961.

Alle waren bei der Vorführung der alten Fotos mit großer Begeisterung dabei und hörten aufmerksam den informativen Kommentaren von Klaus Brademann zu.

„Guck mo doo hien, dat is meine Vadder“ – „De do vorne dat is meine Onkel“ – „Guck mo dat is meine Oba, wie scheen!“, so die Kommentare bzw. Äußerungen verschiedener Werlauer.

Herbert Merten trug einen Bericht über die Tagesschicht eines Bergmannes auf der Grube „Gute Hoffnung“ im Jahre 1948 vor. Dabei ließen die Schilderungen so manchen der überraschend vielen jüngeren Zuhörer aufhorchen, da man sich die schweren körperlichen Belastungen, denen die Bergleute damals ausgesetzt waren, kaum vorstellen konnte.

Für das Werlauer Zeitreise-Team war die gute Resonanz des Publikums ein Gradmesser für das Programm und Motivation in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Die Grundlage für diesen gelungenen Abend haben natürlich in erster Linie alle Werlauer gelegt, die dem Zeitreise-Team ihr Fotomaterial zur Verfügung gestellt haben. Einen ganz wesentlichen Beitrag leistete Klaus Brademann durch die sehr zeitintensive Bearbeitung der Fotos bis zur Zusammenstellung der Präsentationen.

Der von Herbert Merten im Jahre 1997 auf der Grube „Gute Hoffnung“ gedrehte Videofilm mit Peter Bohley als „Interviewpartner“ war das Highlight des Abends. Hier standen die Videoaufnahmen nicht so sehr im Vordergrund, sondern die Kommentare des Zeitzeugen Peter Bohley, der 12 Jahre in die Grube „Gute Hoffnung“ eingefahren war. Auf seinen Wunsch wurde am Ende der Veranstaltung in einer Schweigeminute aller Bergleute gedacht, die nicht mehr unter uns sind.

Zwischen den Bildpräsentationen wurden jeweils zwei Weine des Weinguts Philipps, St. Goar-Gründelbach, verkostet. Thomas Philipps verstand es bei der Vorstellung der Weine die Vorzüge und Charaktereigenschaften fachkundig und informativ zu kommentieren.

Zur Geschichte der Grube „Gute Hoffnung“

Die Grube „Gute Hoffnung“ wurde 1562 erstmals urkundlich erwähnt. 1815 konstituierte sich die „Werlauer Gewerkschaft“. Nach 1907 betrieb die Bergbau AG Friedrichssegen die Grube. Konkurs: 1913, 1916 Neugründung. Am Jahresende 1929 gab die Gewerkschaft auf. 1934 übernahm die Stollberger Zink AG die Anlagen, dehnte 1937 die Grube auch auf Wellmich aus, errichtete 1937/1938 eine Werkssiedlung zwischen Prinzenstein und St. Goar und begründete damit den St. Goarer Stadtteil Fellen.

1950 arbeitete die Grube konkurrenzfähig: Es wurden an Roherzen zwischen 33 000 t und 40 000 t bei Belegschaftszahlen von 160 bis 190 Mann gefördert. 1956 erfolgte ein wirtschaftlicher Einbruch durch sinkende Weltmetallpreise. 1957 fielen die Blei- und Zinkpreise auf dem Weltmarkt weiter ab. 1958 wurden die Grubenbetriebe „Gute Hoffnung“ eingestellt, die Restbelegschaft betrug 38 Mann. 1959 führte man die Gewinnungsarbeiten im rechtsrheinischen Bereich mit geringer Belegschaft nochmals fort. 1961 erfolgte die endgültige Betriebsschließung der Grube „Gute Hoffnung“.

Klaus Brademann




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