Heimatfreunde Werlau e.V.

"Meisterleistung" der Werlauer Laienschauspieler

Neu gegründete Theatergruppe bot pfiffige Spielgeschichte mit markanten Figuren und meisterlich fließenden Dialogen

Theatergruppe 2002

In Werlau lebte nach jahrzehntelanger Abstinenz die einst mit viel Können und Begeisterung gepflegte Theatertradition wieder auf. Der erste Versuch war schon mal ein voller Erfolg. Die neu gegründete Theatergruppe der Heimatfreunde Werlau führte die Komödie „Heavy Beethoven“ von Horst Helfrich im evangelischen Gemeindehaus auf. Foto: Klaus Brademann

ST. GOAR-WERLAU. „Das war eine Meisterleistung!“ Mit diesen Worten kommentierte der Autor des Lustspiels „Heavy Beethoven“ Horst Helfrich nach der Premiere die Aufführung der neu gegründeten Theatergruppe der Heimatfreunde Werlau e. V. am vergangenen Wochenende. Die Laienspielgruppe knüpfte mit diesem Theaterstück an die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreichende Werlauer Theatertradition an und präsentierte mit dieser Komödie erstmals seit 34 Jahren wieder Theater in Werlau. Die Akteure erhielten für ihre Darbietungen viel Beifall und stehende Ovationen.

Die Werlauer haben einen Hang zum Theaterspielen, bemerkte schon Pfarrer Over damals in seinen Lebenserinnerungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Theateraufführungen wichtiger Bestandteil der wieder auflebenden Vereinsarbeit. Das letzte Theaterstück wurde im Jahre 1968 zum Höhepunkt der „Woche des Dorfes“.

Hermann Petry hatte vor etwa einem Jahr den Stein ins Rollen gebracht. Ihm schlossen sich junge und auch ältere Werlauer an, die alle das gleiche Ziel verfolgten, nämlich „Theater zu spielen“.

Man suchte nach einer pfiffigen Spielgeschichte mit markanten Figuren, die man in dem Lustspiel in vier Akten „Heavy Beethoven“ von Horst Helfrich fand.

Ludwig Dürrnagel (Dieter Langenbach) liebt Beethoven, sein Sohn Johann Sebastian (Christian Wendorff) Heavyrock-Bands. Man kann sich also unschwer vorstellen, wenn im Haus Dürrnagel das „Lied an die Freude“ aus der 9. Symphonie Beethovens zugleich mit einem Sägezahngitarrenriff erklingt, dann bebt die Hütte und Dorothea Dürrnagel, Ehefrau und Mutter (Andrea Vosshage), steht mal wieder kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Als Töchterchen Carmen (Bettina Veith) Mutterfreuden entgegensieht und eine dann „eben-Jetzt-Hochzeit“ ansteht, läuft das Fass zunächst mal über, da nämlich Ludwig, gekleidet mit Perücke wie sein Idol, am Traualtar auf der Geige Beethoven zu Gehör bringen will.

Bis es dazu beinahe noch kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Christoph Krull, Schwiegersohn in spe (Martin Kuhn), stellt sich vor, um zu beweisen, wie auch er mit Musik auf gutem Fuße steht. Ludwig Dürrnagel ist neugierig, welchem Komponisten Christoph den Vorzug gibt, muss jedoch das „Kufstein-Lied“ hören, worauf ihn beinahe der Schlag trifft.

Entnervt zieht Mutter Dürrnagel schließlich den Psychiater Prof. Dr. Flattergang (Hermann Petry) zu Rate, zwecks Heilung von Mann und Sohn von ihrer Besessenheit – doch der Nervenarzt dreht selber durch.

Bilder von dem Theaterstück "Heavy Beethoven"



Im Detail - Die Darsteller auf und hinter der Bühne

Dieter Langenbach als Ludwig Dürrnagel, der Beethoven über alles liebt; Andrea Vosshage als sein leidgeprüftes Weib Dorothea Dürrnagel; Christian Wendorff als Johann-Sebastian Dürrnagel deren Sprössling – ein totaler Rockfan; Bettina Veith als Carmen Dürrnagel, deren Tochter und derzeit werdende Mutter; Lotti Vosshage als Aida Dürrnagel, Mutter von Ludwig, Dorotheas Schwiegermutter; Ulrich Michel als Albert Schlottmann, cooler Altfreak, Dorotheas Vater; Marion Barber als Krimhild Dürrnagel, Ludwigs schrullige Schwester; Hermann Petry als Nervenarzt Prof. Dr. Flattergang; Martin Kuhn als Christoph Krull, Schwiegersohn „in spe“; Jutta Vogt als Tabea Krull, seine energische Mutter; Christina Jakobi als Cosima Hunzel, die Frau vom Conservatorium; Marlene Spriestersbach als Hedwig Maus, wohnt einen Stock unter Dürrnagels; Christina Jakobi als Organistin Frl. Schnarrenberger; die weiteren Verantwortlichen – Regie: Herbert Merten, Souffleusen: Inge Petry und Heidi Sturmes, Ton und Musik: Maik Merten und Daniel Volk, Maske: Brigitte und Miriam Kuhn, Bühnenbild: Herbert Merten und Hermann Petry, Bühnenbau: Heinz Merten.

Nach der Premierenvorstellung bedankte sich Ortsvorsteher Heribert Pelz bei den Laienschauspielern für die gelungene Darbietung. Bürgermeister Walter Mallmann spendete der Gruppe für ihre weitere Arbeit einen Geldbetrag.

Eine gelungene Premiere! Darüber waren sich alle einig, die die ausverkaufte Vorstellung besucht hatten. Die Schauspieler unter der Regie von Herbert Merten gaben ihr Bestes und spielten ihre Rollen so gekonnt, dass sogar der Autor des Stückes, der es sich nicht hatte nehmen lassen, der Premierenaufführung beizuwohnen, “Gänsehaut und Herzklopfen” bekam. Die meisterlich fließenden Dialoge machten dieses Lustspiel zu einem entzückenden Vergnügen nicht nur für das Publikum sondern für alle Akteure. Gespannt sein darf man sicherlich, mit welchem Stück die Gruppe im kommenden Jahr zu sehen sein wird.

Klaus Brademann




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